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Notaranderkonto

Sichere Geldanlage beim Immobilienkauf

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Notaranderkonto

Kurzdefinition: Das Notaranderkonto ist ein Treuhandkonto der Notarin oder des Notars, auf dem Käufer den Kaufpreis einzahlen, der nur bei erfolgreicher Eintragung ins Grundbuch freigegeben wird.

Was bedeutet Notaranderkonto bei Immobilien?

Das Notaranderkonto ist ein Schutzinstrument für Käufer und Verkäufer. Der Notar agiert als unparteiischer Treuhänder (von lateinisch "manus" = Hand), der das Geld in Verwahrung hält, bis alle Bedingungen erfüllt sind.

Der Ablauf beim Immobilienkauf:

  1. Kaufvertrag unterzeichnet: Käufer und Verkäufer unterschreiben beim Notar
  2. Grundschuldbestellung (optional): Falls der Käufer einen Kredit aufnimmt
  3. Aufforderung zur Zahlung: Der Notar fordert den Käufer auf, den Kaufpreis auf sein Notaranderkonto zu überweisen
  4. Geldempfang: Das Geld wird auf dem Konto hinterlegt, aber NICHT an den Verkäufer ausgezahlt
  5. Grundbucheintrag: Der Notar stellt beim Grundbuchamt einen Antrag auf Eintragung des Käufers als Eigentümer. Gleichzeitig wird eine „Auflassungsvormerkung" eingetragen (schützt den Käufer)
  6. Erfolgreiche Eintragung: Sobald der Käufer im Grundbuch eingetragen ist, gibt der Notar das Geld an den Verkäufer frei
  7. Kreditzahlung (falls vorhanden): Wenn der Käufer einen Kredit hat, zahlt die Bank direkt an den Notar, nicht an den Verkäufer

Warum ist das Notaranderkonto wichtig?

Das Notaranderkonto schützt vor:

Käuferschutz:

  • Der Käufer zahlt nur, wenn er ins Grundbuch eingetragen wird
  • Falls der Verkäufer die Immobilie nicht räumt oder nicht frei gemacht ist, kann der Käufer die Zahlung blockieren
  • Der Notar überweist das Geld ERST, wenn das Grundbuch aktualisiert ist

Verkäuferschutz:

  • Der Verkäufer erhält das Geld schnell nach Grundbuchänderung
  • Er ist gegen Zahlungsausfälle geschützt (der Notar garantiert die Gelder)
  • Bei Kreditfinanzierung des Käufers zahlt die Bank zuverlässig

Allgemeiner Schutz:

  • Keine Direktzahlung zwischen Käufer und Verkäufer (Betrugsrisiko)
  • Unabhängige Kontrolle durch Notariat (staatlich überwacht)
  • Rechtssicherheit durch förmliche Abwicklung

Notaranderkonto in der Praxis

Szenario Düsseldorf – Immobilienkauf mit Kredit:

  1. Kaufpreis: 500.000 Euro
  2. Käufer hat 100.000 Euro Eigenkapital, braucht 400.000 Euro Kredit
  3. Der Käufer überweist 100.000 Euro auf das Notaranderkonto
  4. Die Bank überweist 400.000 Euro auf das Notaranderkonto (nicht an den Verkäufer)
  5. Notar hat jetzt 500.000 Euro in Verwahrung
  6. Notar antrag Grundbucheintrag → Käufer wird ins Grundbuch eingetragen
  7. Nach Eintragung: Notar überweist die 500.000 Euro an den Verkäufer
  8. Der alte Eigentümer räumt die Wohnung, der Käufer erhält die Schlüssel

Was, wenn es Probleme gibt?

  • Der Verkäufer hat das Haus noch nicht frei gemacht: Der Käufer kann dem Notar mitteilen, dass er die Zahlung blockiert. Das Geld bleibt bis zur Klärung auf dem Konto.
  • Der Käufer ist zahlungsunfähig: Das Geld ist noch nicht überwießen, die Bank/der Käufer haftet, nicht der Notar. Der Notar hält das Grundbuchverfahren an.
  • Der Verkäufer stirbt vor Auszahlung: Der Notar zahlt an den Verkäufer-Erben aus.

Notarkosten und Gebühren

Das Notaranderkonto ist kostenlos für den Käufer und Verkäufer. Der Notar verwaltet dieses Geld ohne zusätzliche Gebühren (das ist in den Notargebühren enthalten). Es entstehen aber insgesamt Notarkosten:

Notargebühren beim Kauf einer 500.000-Euro-Immobilie:

  • Notargebühren (nach Gebührenordnung): ca. 1.000–1.200 Euro
  • Grundbuchgebühren (für Eintragung): ca. 300–500 Euro
  • Gesamt: ca. 1.300–1.700 Euro

Diese zahlt typischerweise der Käufer (kann aber verhandelt werden).

Häufige Fragen zum Notaranderkonto

Kann der Notar das Geld auf dem Konto investieren?

Nein, das ist verboten. Das Geld muss unverzinst auf einem Geschäftskonto liegen.

Was ist, wenn der Notar pleite geht?

Das Notaranderkonto ist geschützt. Gelder auf Notarkonten sind durch die Notarkammer versichert und gehören nicht zur Konkursmasse.

Wie lange dauert es, bis das Geld freigegeben wird?

Typischerweise 2–4 Wochen nach Kaufvertrag. Das Grundbuchamt braucht Zeit für die Eintragung.

Kann ich das Notaranderkonto sparen, indem ich direkt zahle?

Nein, das ist nicht legal. Der Notar MUSS das Treuhänderkonto für Immobilienkauf nutzen. Dies ist Pflicht, um den Käufer zu schützen.

Was passiert mit Zinsen auf dem Notaranderkonto?

Die Zinsen gehören dem Notar als kleine Kompensation. Bei großen Summen und langen Wartezeiten können das einige Euro sein.


Dieser Glossar-Eintrag dient der allgemeinen Orientierung im Immobilienbereich. Für individuelle Anliegen empfehlen wir die Beratung durch einen spezialisierten Fachanwalt oder Steuerberater.